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Glaube & Theologie
Auszug aus dem Leitbild unserer Kirchgemeinde
1 Wer wir sind und was wir wollen
1.1 Wir sind eine Volkskirche
Wir verstehen uns ganz bewusst als Volkskirche.
In der Volkskirche haben Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen und
Interessen Platz: Jene, welche sich für Glaubensgespräche interessieren
und gerne am Gottesdienst teilnehmen und andere, deren der Glaube ausschliesslich
eine Frage der christlichen Haltung im Alltag ist, jene, die aktiv das
Gemeindeleben mitgestalten wollen und andere, die nur dann punktuell in
Beziehung zur Kirche treten, wenn sie ein konkretes Anliegen haben (Taufe,
Trauung, Bestattung, Seelsorge).
Alle Mitglieder, unabhängig von ihren Meinungen
und Interessen, sind uns gleich wichtig.
Die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemühen sich, den unterschiedlichen
Ansprüchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten durch ihr Engagement gerecht
zu werden.
Die Vielgestaltigkeit unserer Mitglieder bezüglich
Interessen, Meinungen, theologischen Ansichten, sozialer und bildungsmässiger
Herkunft, Alter usw. erleben wir als eine Bereicherung. Denn wir wollen
eine Kirchgemeinschaft sein, die miteinander unterwegs ist und immer wieder
neu ihren Weg als christliche Gemeinde sucht. Dazu gehört das gemeinsame
Gespräch, die Auseinandersetzung miteinander, die Achtung unterschiedlicher
Standpunkte und das gemeinsame Engagement.
Die Vielgestaltigkeit in unserer Kirche ist
uns so wichtig, dass wir auch bereit sind, Menschen, welche die Offenheit
in unserer Kirchgemeinde einengen wollen, ziehen zu lassen. Das heisst:
wir wollen uns nicht anpassen mit unserem Angebot, selbst wenn diese Leute
dann aus der Kirche austreten.
Wir bemühen uns, alle verschiedenen Gruppen
in unserer Kirche anzusprechen. Das Gemeindeleben soll so einladend sein,
dass verschiedenste Menschen und Gruppierungen ohne Schwellenangst dazukommen
und sich unter diesem Dach wohl fühlen können. Manche sind bei der Kirchgemeinde
eher aus Distanz dabei. Andern ist es wichtig, Kirche als Gemeinschaft
zu erleben und ihre Initiativen einbringen zu können.
Grundsätzlich wollen wir uns um die Einheimischen kümmern, versuchen aber
als Gastgeber für unsere (touristischen) Gäste offen zu sein und wenn
möglich auf deren Bedürfnisse einzugehen.
1.2 Unser Auftrag Gott ist für uns der
Schöpfer des Lebens.
Wir verstehen uns als verantwortliche Haushalter des Geschaffenen. Darum
ist es uns ein Anliegen, christliche Werte in das gesellschaftliche Leben
einzubringen. Dort, wo Friede, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung
oder die Solidarität mit den Schwachen gefährdet werden, wollen wir aktiv
werden. Bei diesem gesellschaftlichen und politischen Engagement suchen
wir nach Möglichkeit die Zusammenarbeit mit anderen Kirchgemeinden, Kirchen
und ausserkirchlichen Gruppen.
Jesus gab den Menschen, mit denen er lebte, eine neue Hoffnung und Begeisterung
ins Leben. Er lud jeden und jede ein, den Spuren Gottes im Leben nachzugehen
und sich in allem vertrauensvoll an Gott zu wenden. Als Geschöpf Gottes
soll der Mensch ganz Mensch sein und sich dafür einsetzen, dass auch der
Nächste ganz Mensch sein kann. Das war seine "Gute Nachricht" (= "Evangelium").
Im Heiligen Geist gibt uns Gott auch heute die Phantasie und Kraft, die
Perspektive Jesu in Wort und Tat zu verkündigen und zu leben, und damit
Zeichen des verheissenen Gottesreiches zu setzen.
Bei der Verwirklichung dieses Auftrages übernimmt jedes Mitglied der Kirchgemeinde
nach seinen Möglichkeiten Mitverantwortung.
Unsere Vision von Kirchgemeinschaft ist es, dass jedes Mitglied sein Suchen,
seine Bedürfnisse, sein Engagement, sein Verantwortungsbewusstsein, seine
Begabungen, seine Menschlichkeit, seine Einsichten und Anliegen einbringen
kann in das Leben der Kirchgemeinde in Verantwortung vor Gott zur Bereicherung
aller.
2 Kirche als Lebensraum
2.1 Spiritualität
Das Leben in der heutigen hoch differenzierten Gesellschaft fordert von
jedem Menschen Anpassungsvermögen, Auseinandersetzungs- und Verarbeitungsarbeit
und Leistungsfähigkeit. Die Gefahr ist gross, dass die Seele zu kurz kommt.
Spiritualität, der Bezug zur Realität, die wir Gott nennen, gehört aber
zum Wesen des Menschen.
Als Kirchgemeinde wollen wir Rahmen schaffen für spirituellen Erfahrungen.
Wir sind dabei offen für Phantasie und Kreativität, für neue Erfahrungen
und Experimente, prüfen aber unsere Angebote daran, ob sie Impulse zu
einer vertieften Gottesbeziehung vermitteln können. Gefüllte Traditionen
und religiöse Riten haben dabei eine wesentliche Bedeutung. Sie sollen
darum immer wieder aktualisiert, nicht aber vorschnell abgeschafft oder
geändert werden, damit sie auch weiterhin oder neu Heimatgefühl bieten
können.
Das alltägliche Leben im Beruf, in der Schule, in Familie, im Freundeskreis
sowie in der Gesellschaft kann "Gottesdienst" sein. Der Gemeindegottesdienst
ist wie ein Brennpunkt dieses Gottesdienstes im Alltag. Man sieht und
spürt: da sind andere, die wie ich auf der Suche sind und mit denen ich
mich gemeinsam auf Gottes Wort ausrichten und beten kann.
Wenn wir miteinander auf das Wort Gottes hören, wird deutlich, was im
Leben wesentlich und was unwesentlich ist. Der Gottesdienst kann uns helfen,
zu uns selber zu kommen, und er kann uns zum tiefen Sinn des Lebens führen.
Er gibt uns Hoffnung und ermutigt für den Alltag.
2.2 Gemeinschaft
Gemeinschaft im Feiern und miteinander Teilen des Alltags war schon den
ersten Christen ein zentrales Anliegen. Wir wollen in unserer Kirchgemeinde
nicht nur von Gemeinschaft, Solidarität und Toleranz reden, sondern sie
auch leben. Die Qualität unserer Gemeinde zeigt sich weniger in der Anzahl
der Veranstaltungen, die wir anbieten, als an der Lebendigkeit der menschlichen
Beziehungen.
Jede und jeder, vor allem auch Menschen, welche sich als am Rande des
gesellschaftlichen Lebens stehend fühlen (z. B. Kinder, Jugendliche, Betagte,
Neuzuzüger, arme oder behinderte Menschen), sollen sich aufgenommen fühlen.
Die anforderungsreiche, gesellschaftliche Situation von heute führt vermehrt
Menschen in Identitätsprobleme. Jesus Christus hat Anerkennung gelebt
für Nichtanerkannte. Er hat Menschen erfahren lassen, dass Gottes Nähe
Beziehungen schafft und heilsam ist. Als Kirchgemeinde möchten wir darum
Menschen zu sich und zueinander finden lassen. Es ist uns darum wichtig,
unter der ortsansässigen Bevölkerung Begegnungen zu fördern.
Viele Menschen suchen christliche Gemeinschaft, spirituelle Erfahrungen
und Gespräche über den Glauben nicht nur in der eigenen Kirchgemeinde,
sondern auch an anderen Orten (christliche Bildungshäuser und Tagungsstätten,
Meditationszentren usw.). Auch an diesen Orten wird Kirche gelebt. Wir
unterstützen diese Orte ideell und indem wir die Kirchgemeindemitglieder
auf solche aussergemeindlich gelebte Kirche hinweisen (Information, Programmweitergabe).
2.3 Seelsorge
In unserem modernen Leben kommt die seelische Entfaltung manchmal unter
Druck. Wir wollen ein waches Auge auf solche Situationen haben und Menschen
beistehen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden.
Sowohl die angestellten Mitarbeiter wie auch freiwillige Helferinnen und
Helfer suchen den Kontakt mit Gemeindegliedern, die sich in besonderen
Situationen ihres Lebens befinden.
Wer einen Mitmenschen kennt, der eine seelsorgerliche Begleitung braucht,
macht die kirchlichen Mitarbeiter darauf aufmerksam. Wir wollen nicht
aufdringlich sein, andererseits aber der Individualisierung und Vereinsamung
entgegenwirken.
Die Seelsorge kann Menschen mit besonderen Problemen zu einem Zugang zu
Fachstellen verhelfen. Sie versucht, das einzelne Gemeindeglied in Krisensituationen
zu stützen, kann jedoch meist keine therapeutische Begleitung sein.
Ein grosser Teil der seelsorgerlichen Arbeit der Pfarrer in unserer Gemeinde
besteht in der Begleitung von Menschen in Übergangssituationen ihres Lebens:
Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Sterben. Für manche Menschen sind diese
besonderen Feiern der einzige Kontakt mit der Kirchgemeinde; und doch
ist es vielen ein Anliegen, bedeutsame Lebenssituationen und Übergänge
feierlich und mit dem Segen Gottes zu begehen.
Wesentlich sind dabei auch die begleitenden Gespräche mit kirchlichen
Mitarbeitern, denen wir als wichtiges Element des volkskirchlichen Zusammenhaltes
in unserer Gemeinde einen hohen Stellenwert einräumen möchten.
2.4 Solidarität mit Menschen im In- und
Ausland
Benachteiligte Menschen betrachten wir als unsere Nächsten. Soweit es
in unseren Möglichkeiten liegt, versuchen wir durch persönlichen Kontakt
und materielle Hilfe die erschwerte Lebenssituation benachteiligter Menschen
mitzutragen.
Als Teil einer weltweiten Gemeinschaft nehmen wir Anteil an allem, was
auf der Erde geschieht. Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir,
unsere Verantwortung auch internationalen Zusammenhängen (Entwicklungspolitik,
Ökologie, Friedensförderung, Partnerschaft mit anderen Christen) gegenüber
wahrzunehmen.
Unsere Kirchgemeinde versteht sich als ein Teil der grossen weltweiten
Kirche, die aus den Ortsgemeinden der Kirchen aller Konfessionen und Denominationen
(Sammelname für die verschiedenen reformierten Kirchen) besteht.
Darum ist uns eine gute Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden gleich welcher
Konfession wichtig. Auch Menschen anderer Glaubensgruppen gegenüber wollen
wir interessiert und offen sein.
3 Kirche als Institution
3.1 Eine gesellschaftliche Verantwortung
Die Schweizer Verfassung beruft sich auf Gott. Als Kirchgemeinde tragen
wir die gesellschaftliche Verantwortung, die christliche Botschaft und
die Werte einer christlichen Kultur in jeder Zeit so an die zu unserer
Gemeinde gehörenden Menschen weiterzugeben, dass sie verstanden werden.
3.2 Eine demokratische Organisation
Unsere demokratische Kirchenverfassung lässt viel Raum zur Entfaltung
des Gemeindelebens. Der Kirchgemeindevorstand wacht über die Erfüllung
der Verfassung und er ist Bindeglied zu anderen öffentlichen Institutionen,
zum Beispiel im Sozialbereich.
Alle Gemeindeglieder haben die Möglichkeit, ihre demokratischen Rechte
wahrzunehmen und so die Rahmenbedingungen für unser Gemeindeleben mitzugestalten.
3.3 Eine kollegiale Führungsstruktur
Die Fäden all der verschiedenen Verantwortlichen und Gruppen laufen im
Kirchenvorstand zusammen. Wir achten darauf, den Vorstand aus Vertreter(inne)n
verschiedener Bevölkerungsgruppen und in einem möglichst ausgewogenen
Verhältnis von Frauen und Männern zu besetzen.
Wir wollen Strukturen schaffen für die regionale und überregionale Zusammenarbeit
auf Vorstands- und auf Mitarbeiterebene.
Die Vernetzung der einzelnen Gruppen in der Kirchgemeinde soll ebenfalls
gefördert werden.
Die einzelnen Arbeitsgruppen tragen (zusammen mit zuständigen Kirchenvorstandsmitglied
(Ressortleiter)) selbst Verantwortung für ihre Bereiche, und sie sorgen
für Information und Transparenz zu den andern Gruppen der Kirchgemeinde.
3.4 Mitarbeit in der Kirche
In unserer Kirche gibt es keine Trennung von "geistlich" und "weltlich".
Alle leisten nach ihren Möglichkeiten einen Beitrag zur Gestaltung des
(kirchlichen) Lebens. Natürlich gehört da im weitesten Sinne auch das
dazu, was in allen Lebensbereichen an Menschen gefördert wird: Alle, die
erziehen, pflegen, führen und helfen, leisten einen wichtigen Beitrag.
Nicht alle sind von ihrem familiären und beruflichen Engagement her frei
für eine Mitarbeit in der Kirche.
Es sind viele Dinge zu leisten, für die wir immer wieder Interessierte
suchen.
Es ist die Aufgabe der Pfarrer, des Gemeindehelfers und des Vorstandes,
die freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrem Engagement
für die jeweilige Aufgabe zu begleiten, für ihre Schulung besorgt zu sein
und daraufhin zu arbeiten, dass alle Dienste im Ganzen der Gemeinde integriert
sind.
Die angestellten Mitarbeiter befassen sich mit denjenigen Aufgaben, welche
aus Zeit- oder Kompetenzgründen nicht von freiwilligen Helferinnen und
Helfern betreut werden können.
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